Die 4 Schlüssel

Die 9-jährige Moana und ihre erwachsene Freundin Jill entdecken einen versteckten Zugang zu einem Wunderwald. Dort erfahren sie von der kleinen Elfe Lilu, dass der Wald in großer Gefahr schwebt, zerstört zu werden. Doch die Menschen und vor allem die Kinder können helfen, den Wald zu retten, wenn sie das Geheimnis des Lebens finden. Mehr darf die kleine Elfe nicht verraten, denn Moana und Jill müssen das Geheimnis selbst entdecken. - Eigentlich ist es ja gar kein Geheimnis. Viele Menschen haben nur vergessen, das Schöne und Gute im Leben zu beachten und zu leben.
Und so machen sich die Freundinnen auf den Weg und treffen phantastische Wesen wie Odelin, den Erdeling, Pan, den Herrn der Wälder, die Wasserfee, den Feuergeist Lichterloh und andere hilfsbereite Waldgeister, die ihnen von der Kraft der vier Elemente erzählen und ihnen zeigen, wie sie diese Kräfte für sich selbst nutzen können. Moana und Jill lassen sich auf dieses Abenteuer ein, obwohl Moana es manchmal ganz schön mit der Angst zu tun bekommt. Zum Glück sind die beiden Freundinnen nicht allein und bekommen immer wieder tatkräftige Unterstützung von den zahlreichen Waldbewohnern.
Vier magische Schlüssel spielen bei ihrem Abenteuer eine wichtige Rolle. Sie sollen ihnen helfen, die Türen an einem geheimen Ort zu öffnen, an dem das Geheimnis verborgen ist. Doch bevor sie dort ankommen, kommen ihnen zwei Schurken in die Quere, die in den Wald eingedrungen sind und das Geheimnis stehlen wollen. Die Waldbewohner haben jedoch einen klugen Plan, mit dem sie die Schurken überlisten wollen. Wird es ihnen gelingen?

„Die vier Schlüssel“ ist ein Märchen für Kleine und Große, die auf der Suche nach den Geheimnissen des Lebens sind. Das eine oder andere kann man in dieser Geschichte entdecken.
Das Märchen ist bereits für Kinder im Vor- und Grundschulalter gut verständlich, aber auch Erwachsene haben es schon gern gelesen.

Paperback

12,99 €


Seitenanzahl: 156

ISBN: 978-3-8491-1641-5

Größe: 14,8 cm x 21,0 cm (DIN A5)

Erscheinungsdatum: 19.11.2013

 

Die 4 Schlüssel - Auf der Suche nach dem Geheimnis des Lebens

Leseprobe

Als sie eine Weile gegangen waren, hörten sie Wasser plätschern. Zu ihrer Linken sprudelte eine kleine Quelle unter einem Fels hervor und schlängelte sich als kleiner Bach weiter durch den Wald. Moana und Jill blieben erstaunt stehen: Über der Quelle auf dem Felsblock hockte eine kleine, zarte Gestalt. Sie hielt einen kleinen Holzbecher in den Händen und schöpfte damit Wasser aus der Quelle. Als sie den Becher zum Mund führte, um daraus zu trinken, erblickte sie Jill und Moana. Überrascht hielt sie in der Bewegung inne. Aus großen, grünen Augen starrte sie die beiden an. Moana und Jill erwiderten den Blick mit gleichem Erstaunen. Dieses kleine Wesen auf dem Felsen war ein seltsamer Anblick. Es war klein wie ein Kind. Grünliches, lockiges Haar umrahmte das schmale, schöne Gesicht. Es trug ein hellgrünes, einfaches Gewand, das bis zu den Knien reichte. Moana blinzelte, als wollte sie ihren Augen nicht trauen. Irgendwie sah es fast so aus, als wäre dieses Wesen durchsichtig. Oder leuchtete es von innen? Jill fand als Erste ihre Sprache wieder. „Hallo!“, grüßte sie freundlich. „Wir haben gerade diesen wunderbaren Wald entdeckt und wollten ihn erkunden. Das ist Moana und ich bin Jill. Und wer bist du?“, fragte sie das zierliche Wesen. „Hallo!“, erwiderte es mit heller, klarer Stimme, richtete sich auf und strich mit der Hand über sein Gewand. Bevor es mehr sagen konnte, platzte Moana heraus: „Bist du eine Fee?“ Das Wesen lächelte. „Nein, ich bin eine Waldelfe, ich heiße Lilu“, antwortete es. „Und was bist du?“ Moana war ausgesprochen überrascht von dieser Frage. „Ich bin ein Kind“, sagte sie schließlich. „Ach, ein Kind!“, juchzte Lilu. „Das ist ja wunderbar! Wir wünschen uns so sehr, dass Kinder uns besuchen kommen.“ Flink sprang sie vom Fels herunter und lief auf Moana und Jill zu. Sie bewegte sich geschmeidig wie eine Katze. Ihre Schritte waren gar nicht zu hören. Im Nu stand sie vor dem Mädchen, das genau so groß war wie sie selbst, und strahlte über das ganze Gesicht. „Herzlich willkommen in unserem Wald!“, sagte sie und hielt Moana beide Hände hin. Moana reichte der Elfe die ihren. Lilus Hände fühlten sich zart und fest zugleich an. Gar nicht so durchsichtig wie sie aussahen. Dann lächelte die Elfe Jill an und sagte noch einmal: „Herzlich willkommen!“ „Warum wünscht ihr euch denn, dass euch Kinder besuchen?“, wollte Moana wissen. „Weil Kinder so schnell lernen. Weil wir die Kinder brauchen, damit der Wunderwald wieder groß wird. Weil Kinder einfach besser verstehen ...“, antwortete Lilu.  „Aber wieso denn? Was ist mit dem Wald?“, fragte Moana verwundert. „Er wird immer kleiner“, erwiderte Lilu nun mit trauriger Stimme und ließ den Kopf hängen. Dicke Tränen kullerten plötzlich aus ihren Augen und fielen auf den Boden vor ihre nackten, schmalen Füße. Moana bekam einen Kloß in den Hals und sah verunsichert zu Jill auf. Jill schaute betroffen auf die weinende Lilu und legte ihr die Hand auf die Schulter. Sie wollte etwas sagen, aber da erzählte Lilu schon weiter und sah dabei Moana und Jill traurig an. Ihre großen Augen glänzten vor Tränen.  „Früher war der Wunderwald riesig groß, und es gab viele Wälder wie diesen hier, überall auf der Welt. Aber das ist schon sehr, sehr lange her. Länger als ich denken kann. Dann hat der Wunderwald angefangen zu schrumpfen und zu schrumpfen. Andere Wälder sind schon ganz verschwunden. Und wenn wir nicht bald Hilfe bekommen, wird dieser hier auch verschwinden“, schluchzte sie und vergrub ihr Gesicht in den Händen. Ihr schlanker Körper schüttelte sich beim Weinen vor Verzweiflung. „Warum werden die Wunderwälder kleiner? Warum verschwinden sie?“, wollte Moana wissen. Als Lilu sich etwas beruhigt hatte, antwortete sie: „Weil die Menschen das Geheimnis des Lebens vergessen haben.“ „Das Geheimnis des Lebens?“, fragte Jill erstaunt.  „Ja, das Geheimnis des Lebens. Früher kannten es die Menschen noch, doch dann haben sie irgendwann angefangen, es zu vergessen. Es gibt immer wieder Menschen, die sich auf die Suche nach dem Geheimnis des Lebens machen, aber die kommen nur sehr langsam voran. Sie wollen, dass ihre komischen Apparate denken und suchen da drin eine Antwort. Und sie glauben, sie müssten etwas Neues finden, dabei ist doch alles schon da. Sie müssten sich nur erinnern ...“ Lilu seufzte. „Aber das kann lange dauern. Vielleicht zu lange.“ Wieder stieß sie einen tiefen Seufzer aus. Dann blickte sie Moana hoffnungsvoll an. „Aber ihr Kinder, ihr könnt den Menschen das Geheimnis des Lebens wiederbringen!“ „Wie denn?“, wollte Moana wissen.  „Ihr könnt euch schneller erinnern.“ „Das verstehe ich nicht!“, sagte Moana und schüttelte den Kopf. „Finde das Geheimnis des Lebens, dann wirst du es verstehen.“ „Kannst du es mir denn nicht sagen?“, fragte Moana „Nein, das geht nicht. Es würde euch auch gar nichts nützen. Jeder muss es selbst finden, sonst hat es keinen Wert. Und sonst funktioniert es auch gar nicht.“  Moana verstand immer noch nicht. Wieder schaute sie zu Jill auf, doch ihre Freundin zuckte ratlos mit den Schultern. „Was muss ich denn tun, um das Geheimnis des Lebens zu finden?“, fragte Moana weiter.  „Folge diesem Pfad und tu das, was sich gut und richtig anfühlt. Dann bist du auf dem richtigen Weg. Vertraue und denke immer daran, dass du das Geheimnis des Lebens findest. Und dann lass einfach geschehen, was auch immer geschehen mag. Das ist alles.“ „Kann ich das Geheimnis des Lebens auch finden, obwohl ich kein Kind mehr bin?“, wollte Jill wissen.  „Natürlich, aber bei großen Leuten kann es länger dauern. Manchmal ist der Weg mühsamer. Viele Leute wollen sich die Mühe nicht machen oder sie sind einfach zu beschäftigt.“ Nun ahnte Jill, was die kleine Elfe meinte. „Ich glaube, ich fange an zu verstehen.“ „Aber ich verstehe gar nichts. Wieso hört der Wunderwald auf zu schrumpfen, wenn wir das Geheimnis des Lebens finden?“, grübelte Moana.
„Es tut mir Leid, mehr kann ich wirklich nicht verraten. Wenn du das Geheimnis des Lebens gefunden hast, wirst du alles verstehen. Jetzt muss ich weiter. Wir sehen uns wieder!“, sagte Lilu und wandte sich zum Gehen. Doch plötzlich hielt sie inne und rief. „Ich bin so glücklich, dass ihr hier seid!“ Dann sprang sie gewandt in den Wald. „Viel Glück!“, rief sie von weitem, winkte und verschwand zwischen den Bäumen. Es war, als hätte sie sich in Luft aufgelöst.